Archiv für November 2017

Polen: Arbeitskämpfe bei PoloMarket weiten sich aus

Seit Monaten führt die Basisgewerkschaft ZSP-IAA eine Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei der Discounter-Kette PoloMarket. Dutzende Proteste haben bereits im ganzen Land stattgefunden und dabei wurde auf die verschiedenen Probleme der Arbeiter*innen dort hingewiesen:

- Unbezahlte Überstunden, meist in Verbindung mit fehlender Dokumentation oder Bestätigung der Arbeitsstunden
- erzwungene Überstunden für Menschen mit Behinderung
- Probleme für Arbeiter*innen, die Urlaub nehmen wollen
- fehlende Pausenzeiten in einigen Filialen
- Belästigung und verschiedene Mängel beim Arbeits- und Gesundheitsschutz

ZSP Picket PoloMarket Belchatow 2017

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Internationale Nachrichten – November 2017

Britannien: Basisgewerkschaft SF-IAA kämpft für Mieter*innen-Rechte

Vor dem Büro der Immobilienverwaltung „G4 Lets“ in Brighton protestierten a, 23.11. mehrere Gewerkschafter*innen der lokalen Solidarity Federation (SF-IAA) und fordeten die Rückzahlung der Kautionen von zwei Gruppen Mieter*innen. Diese mussten in unterdurchschnittlich schlechten Wohnungen (Mäusebefall, mangelhafter Brandschutz) leben und ihnen wurden bereits zuvor bestehende Schäden nach ihrem Auszug in Rechnung gestellt und abgezogen.

Protest in Brighton

Bereits Anfang November 2017 hatte die Wohnungsgewerkschaft (Housing Union) der SF-IAA gemeinsam mit den Mieter*innen eine schriftliche Forderung gestellt, auf die das Unternehmen aber nicht bereits war innerhalb der gestellten Wochenfrist zu reagieren. Daher hatten sie am 09.11. mit einer öffentlichen Kampagne gegen die unzumutbaren Mietverhältnisse bei „G4 Lets“ begonnen, um die ausstehende Zahlung von über 2000 GBP.

Dass solche direkten Aktionen von basisgewerkschaftlich organisierten Mieter*innen erfolgreich sind, zeigen auch die vorherigen Fälle, in denen die Solidarity Federation kürzlich nicht nur die komplette Rückzahlung der Kautionen, sondern auch fast 4.000 GBP Entschädigungszahlung an Mieter*innen erkämpfen konnte, die ein Jahr lang in feuchten und ungezieferverseuchten Wohnungen hausen mussten.

Britannien: „Macht dich dein Putzjob fertig?“

Eine neue Broschüre der anarchosyndikalistischen Solidarity Federation (SF-IAA) beleuchtet aus Sicht einer Reinigungsarbeiter*in die prekären Bedingungen in der Branche. Auf Grundlage von internationalen Studien wird in 28 Seiten dargestellt, wie die körperliche Beanspruchung und die Auswirkungen von chemischen Reinigungsmitteln die Gesundheit belasten. Hinzu kommen Niedriglöhne, steigende Arbeitsbelastung, fehlende Anerkennung, sexuelle Belästigung und familiäre Belastungen im Alltag von Reinigungsarbeiter*innen.

Madrid: Anarchosyndikalist*innen gegen Nationalstaaten und Klassenbündnisse

Das Allgemeine Syndikat (SOV) der CNT-IAA Madrid spricht sich angesichts der nationalistischen Staatskrise in der spanischen Region „Katalonien“ gegen jede Form von Herrschaft aus. Sie erinnern nicht nur an die Kontinuität der faschistischen Eliten nach Francos Tod, sondern auch an die Repression der katalanischen Staatsgewalt gegen soziale Bewegungen (15M, Hausbesetzungen, Streiks). Ein „Recht auf Selbstbestimmung“ könne es nur jenseits kapitalistischer Ausbeutung und politischer Stellvertretung gegen, aber nicht durch parlamentarische Stimmabgabe, Klassenbündnisse oder Neugründung staatlicher Herrschaft.

Polen: Die Proteste bei PoloMarket gehen weiter

Die Stadt Aleksandrów Lódzki ist nur einer von vielen Orten, an dem die Arbeiter*innen der Supermarkt-Kette gezwungen werden Überstunden zu leisten, ohne dass diese im Stundennachweis erfasst werden. Mehrere Arbeiter*innen haben deshalb bereits Entschädigungszahlungen erhalten und in weiteren Fällen wird noch darum gekämpt. Derweil versucht das Unternehmen die Basisgewerkschaft ZSP-IAA wegen angeblicher „Straftaten“ zu verklagen.

ZSP-IAA PoloMarket

Bulgarien: Proteste gegen Arbeitergeber*innen-Willkür und Korruption

In Sofia und Varna fanden wieder mehrere Proteste gegen die Willkür von Arbeitgeber*innen vor lokalen Behörden, sowie der Handelskammer statt. Zahlreiche Basisgwerkschafter*innen der ARS und solidarische Kolleg*innen forderten ausstehende Löhne und ein Recht auf Insolvenzantrag durch betroffene Arbeiter*innen.

ARS Bulgarien

Argentinien: Familie bestätigt Tod von Santiago Maldonado

Der „verschwinden“ gelassene Mapuche-Aktivist und Anarchist Santiago Maldonado war während einer Protestaktion festgenommen worden und nicht wieder aufgetaucht. Nach monatelangen Massenprotesten, die Informationen über seinen Verbleib einfordertetn und an das „Verschwindenlassen“ von Oppositionellen während der Militärdiktatur erinnerten, wurde Ende Oktober nun offiziell sein Leichnam „gefunden“.
Plaza de Mayo, Buenos Aires

Kurdistan: Gegen Staat und Krieg – Für Selbstverwaltung und soziale Revolution

Das Kurdischsprachige Anarchistische Forum (KAF) hat eine aktuelle Stellungnahme gegen den Angriff der irakischen Armee – und schiitischer Milizen – auf das Gebiet der Kurdischen Regionalregierung (KRG) veröffentlicht. Gleichzeitig lehnen die den Autonomieanspruch der dortigen Peshmerga-Regierung als autoritären Nationalismus ab. Klanchef Barzani will damit die Bevölkerung vom Sozialabbau und der Wirtschaftskrise ablenken.

Als Antimilitarist*innen ruft das KAF nun Genoss*innen auf der ganzen Welt zu Solidaritätserklärungen gegen den nationalistischen Bürgerkrieg im Irak auf. Sie rufen auch die Anarchist*innen arabischer, persischer, türkischer und syrischer Sprache zur Unterstützung auf im Kampf für eine antikapitalistische Selbstverwaltung ohne sexuelle oder kulturelle Ausbeutung und Unterdrückung.

Creative Commons: BY-NC (http://anarchosyndikalismus.blogsport.de)

IAA: Bericht vom Belgrader Kongress

Die Internationale Arbeiter*innen-Assoziation ist erfreut berichten zu können, dass ihr erster Kongress in der Balkan-Region erfolgreich stattgefunden hat. Diese Tagung hat zeigt, dass für die IAA eine neue Zeit angebrochen ist, da sie ihr Bekenntnis zur Weiterentwicklung und Verbreitung des Anarchosyndikalismus in weiteren Weltregionen aufgezeigt hat.

Vom 03.-05.11.2017 fand dieser Außerordentliche IAA-Kongress in Belgrad (Serbien) statt, nur ein Jahr nach dem 26. Kongress in Warschau (Polen). Trotz dieser organisatorischen Herausforderung verlief er reibungslos und wurde sowohl von Diskussionen über praktische Themen, als auch von öffentlicher Vorstellung der Arbeit der Mitgliedsorganisationen begleitet.

IAA Kongress Belgrad 2017

Die Entscheidung, solch eine wichtige Tagung in Belgrad durchzuführen, kann als eine Trotzreaktion gegen den autoritären Staat gesehen werden, der mehr als einmal versucht hat unsere Genoss*innen in diesem Land zu kriminalisieren.

Besprochene Themen

Der Kongress beinhaltete eine Reihe von formellen Themen, aber auch einige Diskussionen und Wissensweitergabe. Die Formalien beinhalteten die Sprache der Statuten und deren Aktualisierung, um die aktuelle Vorgehensweise wiederzugeben und mehr Informationen zu liefern. Aber es fanden auch Präsentationen von Delegierten* verschiedener Arbeitsgruppen über Strategie und Bildung statt.
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IAA-Kongress in Belgrad

Der diesjährige Außerordentliche Kongress der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation (IAA) fand letztes Wochenende in Belgrad (Serbien) statt.

Zum ersten Mal wurde ein IAA-Kongress in der Balkan-Region durchgeführt. Dutzende Genoss*innen aus aller Welt versammelten sich, um Beschlüsse zu einigen dringenden und aktellen Themen zu beschließen, verschiedene Themen zu besprechen und sich darüber auszutauschen, wie sich Anarchosyndikalist*innen am Arbeitsplatz organisieren und den Kampf weiter verbreiten können.

Zum Kongressprogramm gehörten auch zwei Abende voller Vorträge, samt Kunstausstellung und geselliger Runde. Einen Bericht über die Arbeit des Kongresses will das IAA-Sekretariat demnächst veröffentlichen [siehe http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2017/11/19/iaa-bericht-vom-belgrader-kongress/].

Ausserordentlicher IAA-Kongress Belgrad 2017

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