Archiv der Kategorie 'Arbeit'

Erste anarchosyndikalistische Konferenz in Bangladesch

Vor einigen Monaten wurde die erste anarchosyndikalistische Organsiation in dem asiatischen Land gegründet, die „Bangladesh Anarcho-Syndicalist Federation“ (BASF).

Die Genoss*innen planen den Aufbau einer landesweiten Organisation mit Gewerkschaften in unterschiedlichen Branchen. Bisher liegt ihr Zentrum in der Region Sylhet, wo einige ihrer Aktivist*innen seit vielen Jahren die Tee-Arbeiter*innen organisieren. Das bedeutet, dass die Anarcho-Syndikalistische Föderation Bangladesh jedenfalls zur Zeit eine der wenigen anarchosyndikalistischen Organisationen ist, deren mögliche Basis aus Landarbeiter*innen besteht, anstatt aus Beschäftigten in anderen Produktions- oder Dienstleistungsindustrien. Jedoch möchte sich die Föderation nicht derart beschränken, sondern versucht auch in anderen Bereichen zu organisieren.

BASF-Konferenz 2018

Die BASF hat nun Anfang Juli 2018 eine Konferenz durchgeführt, zu der die Generalsekretärin der IAA als Rednerin eingeladen war. Etwa 60 Leute nahmen daran Teil, die meisten davon waren Frauen, die in den Teefeldern arbeiten. Aber es kamen auch andere Leute, darunter Arbeiter*innen aus der Textilindustrie, aus Lagerhäusern, der Fahrzeugproduktion oder der Lebensmittelverarbeitung.
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Bangladesh: Solidarität mit dem Kampf der Textilarbeiter*innen

Das kapitalistische System beutet die Arbeitskarft aus, um Gewinn zu machen, und eines der Zentren der globalen Ausbeutung ist Bangladesh. In diesem Land, das nach China der zweitgrößte Exporteur der Bekleidungsindustrie ist, werden Textilien für viele der weltweiten Kleidermarken hergestellt. Die Arbeiter*innen leiden unter schlechten Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen und sind gezwungen zu niedrigsten Löhnen zu arbeiten.
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Solidarity Federation: Rückblick auf 5 Monate Aktionen in Brighton

Eine Zusammenfassung der Aktivitäten seit Jahresanfang 2018, welche die aktuellen Fälle bis Mai 2018 darstellt:

Nachdem die Basisgewerkschaft Solidarity Federation (SF-IAA) Brighton 2017 viel beschäftigt war, was zu einigen Erfolgen geführt hatte, sieht es so aus als ob 2018 noch umtriebiger wird. In den ersten fünf Monaten des Jahres haben sie in der südenglischen Stadt viele Fälle bearbeitet, sowohl mit ihrer Mieter*innen-Gewerkschaft, wie auch bei Arbeitskonflikten.

Brighton SolFed-IWA (G4Lets campaign)

Wenn man sich einer so großen Aufgabe stellt, wie sie es getan haben, dann entsteht immer der Eindruck, man hätte noch viel mehr tun können. Daher werden die geführten Kämpfe allzu schnell wieder vergessen. Aus diesem Grund hält es die SF-IAA Brighton für wichtig, ihre Aktionen aufzulisten und auf einige der bisherigen Ergebnisse hinzuweisen. Zumindest lässt sich damit verdeutlichen, dass der Widerstand gegen abkassierende Vermieter*innen und ausbeutende Chefs auch gewonnen werden kann, wenn er gemeinsam geführt wird.
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Anarchosyndikalismus in Bangladesch

Seit Kurzem gibt es eine Webseite der Bangladesh Anarcho-Syndicalist Federation (BASF), die nach eigenen Angaben aktuell Niederlassungen in 52 Städten und Dörfern der asiatischen Republik hat. Gegründet wurde die Basisgewerkschaft von Tee-Arbeiter*innen, die sich vom autoritären Marxismus-Leninismus sowjetischer und maoistischer Prägung abgewendet hatten, um ab 2012 libertäre Ideen und Organisationsformen zu studieren.

BASF Logo

Da es aber bisher keine anarchosyndikalistische Literatur in der Landessprache Bengalisch gab, haben sie im Internet zahlreiche fremdsprachige Texte zusammengetragen und die freiheitlich-sozialistischen Ideen von Michael Bakunin, Alexander Berkman, Noam Chomsky, William Godwin, Emma Goldman, Peter Kropotkin, Errico Malatesta, Pierre-Joseph Proudhon, Max Stirner und Élisée Reclus gelesen.

Um den endgültigen Bruch mit den marxistischen Ideeen eines autoritären Staatskapitalismus zu vollenden, haben sie am Ersten Mai 2014 einen organsatorischen Neuanfang vollzogen und aus dem Rat der Tee-Arbeiter*innen heraus entstand ein Aktionskomitee aus 23 Anarchosyndikalist*innen. Inzwischen haben sie nach den Grundsätzen von Selbstverwaltung, Gegenseitiger Hilfe und Direkten Aktionen eine landesweite Föderation aufgebaut haben. Mit Unterstützung der australischen Anarcho-Syndicalist Federation (ASF-IAA) wollen sie sich nun der Internationalen Arbeiter*innen-Assoziation (IAA) anschließen.
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Polen: ZSP kämpft weiter

Neue Siege und Herausforderungen in 2018

Anlässlich des Jahreskongresses der polnischen Basisgewerkschaft ZSP-IAA hat diese einen Rückblick auf die Siege und Herausforderungen der ersten Hälfte von 2018 zusammengestellt:

Der Kongress, welcher normalerweise etwas früher im Jahr stattfindet, war aufgrund verschiedener Ursachen verschoben worden, unter anderem aufgrund des Repressionsdrucks gegen ihre Gewerkschaftsaktivitäten. Die ZSP führt weiterhin eine Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Supermärkten, vor allem in der Auseinandersetzung mit PoloMarket. Dabei haben erneut Arbeiter*innen mit Beeinträchtigungen eine große Rolle in der Arbeitsplatzkampagne der Organisation gespielt. Sie kämpfen für ihre vom Gesetz zugestandenen Rechte, die ihnen von vielen Arbeitgeber*innen verweigert werden, welche nur Fördermittel abkassieren wollen und dabei glauben, dass diese nicht für ihre Rechte kämpfen würden.

ZSP gegen PoloMarket
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IAA: Aufruf zum 1. Mai 2018

Internationaler Kampf gegen Kapitalismus, Nationalismus und Staat!

Anlässich des internationalen Feiertags der Arbeiter*innen sendet die IAA Grüße an alle Arbeiter*innen in der ganzen Welt. An diesem Ersten Mai gehen wir in verschiedenen Städten auf die Straße und erinnern an unseren internationalen Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und für eine Selbstverwaltung der Arbeiter*innen. Wir kämpfen ebenso gegen den Staat und seine Einrichtungen, welche die kapitalistische Ordnung verteidigen und den Widerstand unterdrücken.

Die Lage der Arbeiter*klasse ist rund um den Globus und in verschiedenen Situationen sehr unterschiedlich. Trotzdem können wir Entwicklungen beobachten, die jenseits nationaler Grenzen voranschreiten. Dies ist einerseits die fremdenfeindliche Gesinnung, welche benutzt wird, um arbeitende Menschen gegeneinandner aufzuhetzen und über die wirkliche Natur ihrer Ausbeutung Verwirrung zu stiften.

Erster Mai: Internationale Solidarität und Kampf (IAA)

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Putzen ist so gesundheitsschädlich wie Rauchen

Eine neue Studie weist erneut auf die Gesundheitsrisiken durch den Einsatz von chemischen Reinigungsmitteln hin. Höchst bedenklich ist dabei, dass die häufige Verwendung von Putzmitteln ebenso gefährliche Auswirkungen auf die Lunge hat, wie das Rauchen einer Packung Zigaretten pro Tag. Diese Tatsache zeigt, wie nötig es ist, dass wir als Gesellschaft darüber diskutieren sollten, wie überhaupt gereinigt wird – nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch zuhause. Das Forschungsergebnis hebt zudem die Gefahren hervor, denen besonders Frauen* bei der Verwendung chemischer Putzmittel [vor allem Sprays] ausgesetzt sind.

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Internationale Nachrichten – Febr.-März 2018

WELTWEIT

Frauen*kampftag 8.März

In zahlreichen Ländern haben sich auch Anarchosyndikalist*innen an den Aktion zum Internationalen Frauen*-Tag beteiligt. Zum Beispiel erinnerte die Workers Solidarity Alliance (WSA) aus New York an die Ursprünge des Kampftages im Jahr 1908, als tausende Textil-Arbeiterinnen* aus Sweatshops in Streik traten. Auf einer Demonstration durch die Lower East Side forderten sie gleiche Rechte, sowohl als Frauen*, wie auch als Arbeiterinnen*. (http://ideasandaction.info) Diese rebellische Tradition gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung wurde später von unzähligen Revolutionärinnen* zum Beispiel in Russland (1917-‘21) und Spanien (1936-‘39) fortgesetzt.

Frau mit schwarz-roter Fahne

Nicht zu vergessen die Proteste von „weiblichen“ Personen für bürgerliche Rechte, sowie gegen Krieg und Militarismus. Auch die Anerkennung von häuslicher Reproduktionsarbeit, sexueller Unabhängigkeit und geschlechtlicher Vielfalt bleibt umkämpft. Seit vielen Jahrzehnten kämpfen Frauen* auf allen Kontinenten gegen den globalen Raubbau-Kapitalismus und die patriarchale Herrschaft von Religion und Staat. Nicht nur in der Textil- und Nahrungsmittelindustrie, sondern auch beim Widerstand gegen die Zerstörung kleinbäuerlichen Subsistenz-Anbaus durch Monopole und Landraub sind Frauen* prägend aktiv.

Daher haben sich auch dieses Jahr zahlreiche freiheitliche Basisgewerkschaf­ten an den Aufrufen zum Internationalen Frauen*kampftag beteiligt. Gegen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Diskriminierung von Frauen, Lesben, Trans- und Interpersonen (FLTI) wurde teilweise sogar zu einem Streiktag aufgerufen.
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IAA: Solidarität mit polnischen Postler*innen

Die Basisgewerkschaft ZSP-lAA ruft zu einer Prostestwoche vom 26.02.-04.03. gegen die Unterdrückung der Arbeiter*innen bei der polnischen Post (Poczta Polska) auf. Seit fast zwei Jahren protestieren im ganzen Land die Arbeiter*innen der staatlichen Behörde für bessere Arbeitsbedingungen.

Die ZSP hat dies aktiv unterstützt und versucht ein landesweites Netzwerk zu koordinieren. Gemeinsam mit hunderten anderen Arbeiter*innen haben sie gemeinsam Aktionen durchgeführt und Arbeiter*innen in die Gewerkschaft aufgenommen. Alle Arbeiter*innen haben eines gemeinsam: Sie haben die Schnauze voll von den miserabelen Arbeitsbedingungen und sind unzufrieden mit der Rolle der stellvertretenden Gewerkschaften, welche die entsprechenden Abkommen mit ihren Arbeitgeber*innen abgeschlossen haben.

Poeln: Post-Protestkundebung 2017
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Internationale Nachrichten – Januar 2018

Slowakei: Lohnraub bei „Space Mania“

Die Basisgewerkschaft Priama akcia (PA-IAA) unterstützt einen Arbeitskampf wegen vorenthaltenen Lohnes von über 200 Euro in einem Familien-Spielcafe in Senec, nahe der Hauptstadt Bratislawa. Der Chef weigert sich seit Oktober 2017 trotz mehrmaliger schriflicher Aufforderungen das Geld zu zahlen, welches er seiner ehemaligen Mitarbeiter*in Mia schuldet.
Doch trotz der Drohungen bzw. falschen Anschuldigungen des Chefs und angesichts der herbeigeholten Polizei und Rechtsanwält*innen, hat sie mit einer Freundin mehrmals vor dem Eingang für ihr Recht demonstriert und nun auch gemeinsam mit der Priama Akcia eine Kundgebung organisiert.

PA-IAA: SpaceMania 2018

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Spanien: Studientag in Albacete

Die Studierenden-Sektion der CNT-IAA Albacete organisiert am 03.02.2018 einen anarchosyndikalistischen Studientag unter dem Motto „Wozu brauchen wir Stellvertreter*innen, wenn wir Versammlungen haben?“. Damit wollen die notwendige Kritik am Parlamentarismus in der Student*innen-Bewegung verbreiten. Außerdem möchten sie den Diskurs über die Verteidigung der Vollversammlungen weiter vertiefen, aber vor allem aber verweisen sie auf das Scheitern der Führerschaft und auf die mangelnde Beteiligung der Studierenden an ihren eigenen Kämpfen hin.
Die Basisgewerkschaft hofft dabei, ein Klima der Reflexion und des gegenseitigen Lernens unter allen Menschen schaffen können. Sie setzt sich weiterhin für Selbststudium, Diskussion und Engagement ein.

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Spanien: Ein Arbeitsunfall und seine Folgen

Guillermo Arias ist einer von Tausenden Arbeiter*innen, die jedes Jahr einen Betriebsunfall erleiden. Der Arbeiter aus Huesca leidet seit Jahrzehnten an den Folgen eines schweren Sturzes auf den Kopf, welcher von der Malerfirma Lapanto vertuscht werden sollte. Er wurde nach dem Sturz im Jahr 1992 bewusstlos aus der Werksanlage gebracht, um vorzutäuschen, dass sich der Unfall woanders ereignet hätte. Infolge der Quetschungen, Brüche und eines Schädel-Hirn-Traumas musste er fast zwei Jahre lang im Krankenhaus behandelt werden.

Da der Unfallbericht vom Unternehmen gefälscht wurde und schon in der Notaufnahme versucht wurde den Vorfall herunterzuspielen, muss er bis heute nicht nur gegen die ständigen Schmerzen, sondern auch für die Offenlegung der Krankenunterlagen, sowie eine angemessene Entschädigung kämpfen. Das Unternehmen versuchte sogar das Unfallopfer wegen seines Widerstandes auf 15.000 Euro Strafe und 2 Jahre Gefängnis zu verklagen.
Erst im Oktober 2017 bekam Guillermo die medizinischen Untersuchungsergebnisse und kann nun eine entsprechende Therapie einleiten. Daher hat er nun mittels einer Petition auf change.org seinen Fall vorgestellt, um über diesen Skandal zu informieren und die Wiedereröffnung der Untersuchung durch die Arbeitsaufsicht einzufordern, was mittlerweile wohl geschehen ist. Dabei wird er unter anderem von der CNT-IAA Granada unterstützt.

Guilliermo Arias (2014)

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Brasilien: Aufruf zum Wahlboykott

Das Allgemeine Syndikat der COB-IAA in Araxá veranstaltet am 21.01. einen Vortrag mit Diskussion über Nichtwählen und anarchistischen Wahlboykott. Als Anarchosyndikalist*innen setzen sie sich statt Stellvertretung in Betrieb oder Parlament für direkte Aktionen ein. Angesichts zunehmender Ausbeutung und Repression, sowie der faschistischen Gefahr, kämpfen sie selbstbestimmt für die Würde und die Rechte der Arbeiter*innen, gegen Armut und Erwerbslosigkeit.

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Australien: Besuch aus Indonesien

Alvin Noza von der Basisgewerkschaft „Persaudaraan Pekerja Anarko Syndikalis“ (PPAS) aus Jakarta wird am 28.01. zu Besuch in Melbourne sein. Auf Einladung der lokalen ASF-IAA soll über Anarchosyndikalismus in Indonesien informiert werden. Ein Schwerpunkt der Präsentation wird der Arbeitskampf der Uber-Fahrer*innen von der Gewerkschaft KUMAN sein. Aber auch über andere Arbeitskämpfe, z.B. in der Fast-Food-Gastronomie, sowie von den Arbeiter*innen im Internationalen Container-Terminal der Hauptstadt Jakarta, soll berichtet werden.

Arbeitskampf bei Uber Jakarta 2017

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Belgien: Streik bei Deliveroo

In Brüssel und Liège haben am 13.01. über 130 Fahrer*innen der Internet-Plattform „Deliveroo“ gestreikt. Ende Oktober 2017 hatte das Unternehmen angekündigt, die Zusammenarbeit mit der Genossenschaft „SMart“ zu beenden, die den überwiegend studentischen Fahrer*innen momentan Vertragsbedingungen als sozialversicherte Arbeitnehmer*innen, sowie anteilige Reparaturkosten bietet. Ende Januar 2018 sollen sie nun alle als Scheinselbständige weiterarbeiten und dann nicht mehr nach Arbeitszeit (mind. 3h), sondern nach Auslieferung bezahlt werden, was ein geringeres Einkommen für bedeuten würde.

Die Essenskurier*innen trafen sich an zentralen Plätzen, meldeten sich mit ihren Handys bei der Firmen-App ab und fuhren mit ihren Fahrrädern durch die Innenstädte, um Restaurants aufzusuchen, die mit der Online-Vermittlung zusammenarbeiten. Bei spontanen Kundgebungen riefen sie die Gastronom*innen zur Solidarität mit ihrem Arbeitskampf und zu einem zweiwöchigen Boykott des Bestellservice auf. Auch drohten sie damit, im Fall von Streikbruch, das Essen abzuholen und gemeinsam an Obdachlose zu verteilen. Das unabhängige „Kurier-Kollektiv“ (Collectif des coursier-e-s) hat den Protest organisiert und wurde dabei von verschiedenen Gewerkschafter*innen unterstützt. Auch aus Flandern, Mechelen, Antwerpen und Gent wird von Mobilisierungen der Deliveroo-Fahrer*innen berichtet.

#BoycottDeliveroo

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Tunesien: Landesweite Sozialproteste

Bei den Demonstrationen gegen steigende Lebenshaltungskosten haben sich in der Hauptstadt Tunis auch Anarchist*innen an den Kundgebungen beteiligt, berichtet ein Aktivist. Auch soll es dort bisher rund 400 politische Gefangene nach den zahlreichen Protesten, Plünderungen und Straßenkämpfen mit der Polizei geben. Sieben Jahre nach der Revolution von 2011 in dem nordafrikanischen Land ist die wirtschaftliche und soziale Lage angesichts einer erhöhten Mehrwertsteuer und der Inflationsrate von mehr als 6% zunehmend prekär geworden.

Foto: MalekKhemiri (12.01.2018)

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New York: Proteste für kämpfende Arbeiter*innen und gegen Trump

Zur Unterstützung der rund 1.700 seit März 2017 für Rente und Krankenversorgung streikenden Arbeiter*innen beim Kabelbetreiber „Spectrum“ (Time Warner Cable) fand am 15.01. eine Kundgebung verschiedener Organisationen statt, darunter auch die lokale Workers‘ Solidarity Alliance (WSA). Der antikapitalistische Protest fand im Rahmen der Aktionstage anlässlich des ersten Jahrestags der Amtseinführung des US-Präsidenten statt, die am 20.01. mit Abschlussdemonstrationen enden sollen.

Dabei geht es nicht nur um die rechtspopulistische Herrschaft des Präsidenten und die zunehmende Repression, sondern auch um Solidarität mit kämpfenden Arbeiter*innen und verfolgten Gewerkschafter*innen, sowie mit allen Gefangenen. Vor allem gilt es, die 200 Angeklagten zu unterstützen, die noch wegen der Proteste im Januar letzten Jahres von der Staatsgewalt verfolgt werden (#DropJ20). Und zuvor ist am 18.01. auch eine anarchistische Kundgebung gegen sexualisierte Polizeigewalt geplant, da zwei Beamte der NYPD wegen einer Vergewaltigung vor Gericht stehen.

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CreativeCommons: BY-NC
(http://anarchosyndikalismus.blogsport.de)

Internationale Nachrichten – Dezember 2017

Brasilien: Für den Erhalt von Essensmarken

Die Basisgewerkschaft COB-IAA in der brailianischen Stadt Araxá setzt sich für den Erhalt der Lebensmittelgutscheine auch für krankgeschriebene Arbeiter*innen ein, die bisher gegenüber ihren Chefs einen Anspruch darauf haben. Die Kürzung dieser rechtlich gesicherten Nahrungsverorgung ist nur im Profitinteresse der Unternehmer*innen, die ihre Ausgaben einsparen wollen und sich nicht um das Wohlergehen der Belegschaft kümmern.

Während die Unternehmer*innen den Arbeiter*innen einreden wollen, dass sie „Sozialpartner*innen“ seien, stehlen sie ihnen gleichzeitig die Butter vom Brot. Da der Lohn oftmals so niedrig ist, dass er nicht ausreicht um die Miete zu zahlen oder gar ein Haus zu kaufen, streichen die Arbeitgeber*innen Tag für Tag die Gewinne aus der mühsamen Leistung der Untergebenen ein.

Um auf diese Geschäftspraktiken aufmerksam zu machen, plant die COB-IAA Araxá einen Boykotaufruf gegen solche Unternehmen, vor allem bei Supermärkten und Einzelhandel allgemein, die ihre Arbeiter*innen durch die Streichung der Lebensmittelgutscheine im Krankheitsfall zwingen sich zur Arbeit zur schleppen, auch wenn es ihre Gesundheit garnicht zulässt. Dies bedeutet nicht nur für sie selbst eine Gefahr, sondern auch für andere Menschen, beispielsweise bei der Bedienung von Maschinen und Fahrzeugen.

COB-IAA demonstriert

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Warschau: Proteste der Post-Arbeiter*innen

Am 06./07.12. haben in der polnischen Hauptstadt und anderen Orten die Arbeiter*innen der Post für bessere Arbeitsbedingungen protestiert. Kurz vor Beginn der Aktionen hatte das Management eine kleine Lohnerhöhung angekündigt. Die gelben Gewerkschaften, die protestierende Arbeiter*innen angreifen, da sie sie nicht kontrollieren können, feiern dies als ihren Sieg.

Die Aktionen fanden statt nachdem das Management gedroht hatte, jene Arbeiter*innen zu kündigen, die über ihre Arbeitsbedingungen im Internet reden. Die firmentreuen („gelben“) Arbeiter*innen behaupten zudem, dass sich die Proteste gegen die Post selbst richten würden und verleumnden die Basisgewerkschaft ZSP-IAA als „Außenstehende“, so als ob deren Mitglieder nicht bei der Post arbeiten würden.

In einigen Städten wurden die Kundgebungen von Arbeiter*innen an der Basis selbstorganisiert, die keiner Gewrkschaft angehören. Alle diese Drohungen und Manipulationen sollen die Solidarität zwischen den Arbeiter*innen unterlaufen und das Abkommen bestärken, das einige Gewerkschaften mit der Unternehmensführung abgeschlossen haben.

Kundgebung der Postarbeiter*innen (ZSP-IAA)

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Belgrad: Anklage nach Räumungsblockade

Anfang Dezember gab es in der serbischen Hauptstadt erneut Aktionen zur Verhinderung einer Zwangsräumung. Die Basisgewerkschaft Anarchosyndikalistische Initiative (ASi-IAA) unterstützt diese sozialen Kämpfe der Mieter*innen. Nach der Blockade eines Gerichtsvollziehers unter Polizeischutz müssen sich nun zwei Aktivist*innen vor einem Belgrader Gericht gegen die staatliche Repression verteidigen, wobei der Prozess auf Mitte Januar 2018 vertagt wurde.

Während der Anhörung haben mehrere Dutzend Mitglieder der selbstorganisierten Mieter*innen-Vereinigung Kolektivna odbrana stanara, eine Kundgebung vor dem Gericht durchgeführt und Solidarität im Kampf für den Erhalt von lebenswertem Wohnraum gezeigt.

Mieter*innen-Protest vor Belgrader Gericht

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Britannien: Mieter*innen-Gewerkschaft für besseres Wohnen

Wie bereits im November berichtet, kämpft die Mieter*innen-Gewerkschaft der Solidarity Federation in Brighton mit zwei Gruppen von Mieter*innen seit einiger Zeit gegen die Vermietungsgesellschaft „G4Lets“. Sie fordern Entschädigungen für unhygienische Wohnbedingungen, sowie die Auszahlung der gesamten Kautionen. Mittlerweile hat „G4Lets“ zugestimmt, die jeweiligen Fälle zu überprüfen, weshalb einstweilig auf weitere Protestkundgebungen vor deren Niederlassungen verzichtet wird.

Im Fall der Maklerfirma Youngs in Kemptown fordert die SF-IAA Brighton weiterhin eine Entschädigung und Reparaturen für zwei Mieter*innen. Eine der Wohnungen ist derart feucht, dass beide Kinder der Mieterin wegen des Schimmels an Asthma leiden müssen. Darüber hinaus ist eines der Schlafzimmer unbewohnbar geworden. In dem anderen Fall wurde seit 15 Jahren keine der notwendigen Reparaturen durchgeführt und dieses Schlafzimmer ist ebenfalls wegen Feuchtigkeit unbewohnbar.

Um so wichtiger ist es, dass sich Mieter*innen und Basisgewerkschafter*innen gemeinsam organisieren und mit direkten Aktionen und Solidarität den Kampf um Wohnraum gemeinsam organisieren, weshalb Mitte Dezember in Brighton ein lokales Betroffenen-Netzwerk gegründet werden soll.

Brighton Housing Union (SolFed)

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Russland: Anna und Tatjana Garasewa

- zwei Revolutionärinnen im Kampf gegen den Bolschewismus

Am 07.12.1902 wurde Anna Garasewa im russischen Ryazan geboren. Sie und ihre Schwester Tatjana wurden anarchosyndikalistische Krankenschwestern und haben sich an der Russischen Revolution beteiligt. Nach der bolschewistischen Machtübernahme waren sie weiter politisch aktiv, weshalb sie in den folgenden Jahrzehnten mehrfach inhaftiert und in Gulag-Straflager geschickt wurden.

Tatjanas Mann wurde von der Geheimpolizei totgeschlagen und sie selbst verlor einen Fuß durch Erfrierungen im Lager von Kolyma. Anna nahm später Kontakt zum Oppositionellen Alexander Solschenitzyn auf und wurde dessen offizielle Sekretärin, wobei sie Informationen über die Gulags zusammenstellte und Dokumente für ihn versteckte. Beide Schwestern waren auch noch mit über 90 Jahren aktiv…

Auf Libcom.org ist eine kurze Übersicht über das Leben der beiden wenig bekannten Frauen, die ihren Kampf für eine bessere Welt nie aufgegeben haben:
https://libcom.org/history/garaseva-anna-1902-1994-tatiana-1901-after-1997

Anna Garasewa

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(http://anarchosyndikalismus.blogsport.de)

Wien: Gegen Auslagerung in einem IT-Konzern

Wie das Wiener Arbeiter*innen Syndikat berichtet, haben sie 2017 in einem großen IT-Konzern einen Arbeitskampf geführt, da aus der Niederlassung in österreichischen Hauptstadt aktuell immer mehr Abteilungen ausgelagert werden., um als exterme Dienstleistungen – im Gegensatz zu eigenen Mitarbeiter*innen – abgerechnet werden zu können und die Bilanzen aufzuwerten.

Dieses Outsourcing betrifft immer mehr Arbeitsplätze und die stark aufgegliederten Belegschaften sind vom Management dann einfacher zu lenken, indem sie Mitarbeiter*innen der verschiedenen Unternehmen auf diese Art besser gegeneinander ausspielen und die gewerkschaftliche Organisierung erschweren versuchen.

Wiener Arbeiter*innen-Syndikat

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IAA: Polizei und Staat als Instrumente von Klassenkampf und Unterdrückung

Man muss nicht lange suchen, um Beispiele dafür zu finden, wie die Polizei und der Staatsapparat gegen Momente des Widerstandes gegen Ausbeutung und Unterdrückung eingesetzt werden. Auf der ganzen Welt sehen wir immer wieder, wie Proteste von Arbeiter*innen von der Polizei bekämpft und die Bewegungen der Unterdrückten mit Gewalt niedergerungen werden. Die Rolle des Staates zur Aufrechterhaltung der Macht der Eliten ist schon vor Langem deutlich geworden.
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Polen: Arbeitskämpfe bei PoloMarket weiten sich aus

Seit Monaten führt die Basisgewerkschaft ZSP-IAA eine Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei der Discounter-Kette PoloMarket. Dutzende Proteste haben bereits im ganzen Land stattgefunden und dabei wurde auf die verschiedenen Probleme der Arbeiter*innen dort hingewiesen:

- Unbezahlte Überstunden, meist in Verbindung mit fehlender Dokumentation oder Bestätigung der Arbeitsstunden
- erzwungene Überstunden für Menschen mit Behinderung
- Probleme für Arbeiter*innen, die Urlaub nehmen wollen
- fehlende Pausenzeiten in einigen Filialen
- Belästigung und verschiedene Mängel beim Arbeits- und Gesundheitsschutz

ZSP Picket PoloMarket Belchatow 2017

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Neues aus der IAA – Oktober 2017

Argentinien: Soldarität gegen Polizeiterror in Katalonien

Die Widerstandsgesellschaft aller Berufe (SROV) der FORA in Lomas de Zamora hat anlässlich des politischen Generalstreiks am 03.10. gegen die Staatsgewalt in der Region Katalonien vor der Spanischen Botschaft in Buenos Aires protestiert. Dabei wurden auf der Straße vor dem Gebäude zahlreiche Flugblätter verteilt, Transparente gezeigt und Redebeiträge mit Megaphon gehalten (siehe Video).

Sie unterstützen damit den Aufruf der Basisgewerkschaft CNT in Barcelona, die sich angesichts der massiven Unterdrückung gegen die regionalistische Unabhängigkeitsbewegung mit den zivilen Opfern von Polizeigewalt und faschistischem Straßenterror solidarisiert.

Auch die FORA-Mitglieder wenden sich gegen jede staatliche Unterdrückung und rufen zum Klassenkampf gegen die kapitalistische Ausbeutung jenseits aller Grenzen auf. Auf dem Weg zur Selbstbestimmung stehen für sie die Organisation der Arbeiter*innen und gemeinsame direkte Aktionen im Vordergrund, aber nicht nationalistische Spaltung und Militarisierung.

FORA Lomas de Zamora

http://oficiosvarios-lomasdezamora.blogspot.de/

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Bulgarien: Kampagne gegen Willkür von Arbeitgeber*innen

Das Autonome Arbeiter*innen-Syndikat (ARS/APC) organisiert gemeinsam mit anderen Arbeitern aus verschiedenen Firmen und Branchen eine Kampagne gegen willkürliche Maßnahmen von Unternehmer*innen weiter.

Nach einem gemeinsamen Protest am 05.09. haben sie einige Ergebnisse erzielt, vor allem im Zusammenhang mit den Rechten von Arbeiter*innen bei der Firma Piccadilly. Aber das reicht nicht, denn die Arbeiter*innen haben das fällige Geld noch nicht erhalten.

Und die vorgeschlagenen gesetzlichen Änderungen werden nicht einmal im Parlament behandelt. Deshalb haben sie in den letzten Wochen eine neue Reihe von Veranstaltungen gestartet, um über die Fortsetzung und Ausweitung der Kampagne gegen die Arroganz der Arbeitgeber*innen zu diskutieren.

Die Arbeiter*innen und der Gewerkschaft, die an diesen Versammlungen teilgenommen haben, wollen die Kampagne vertiefen und zu radikalen Protesten, Straßensperren und anderen Aktionen übergehen.

Die Kampagne wird Beteiligung in weiteren verschiedenen Bereichen ermöglichen und diese in die allgemeine Mobilisierung einbeziehen. In mehreren Städten des Landes findet eine Koordinierung statt und die Proteste werden diese Woche fortgesetzt.

http://arsindikat.org/bg/

ARS Kampagne gegen Unternehmerwillkür

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Granada: Arbeitskampf bei 8Belts geht weiter

Vor dem Kongresszentrum der spanischen Stadt haben heute Basisgewerkschafter*innen der CNT-IAA Granada gegen die Ausbeutung in der Firma 8Belts protestiert, deren Inhaber Anxo Perez dort an einer Veranstaltung teilnahm. Die Passant*innen und Besucher*innen wurden über den Arbeitskampf informiert. Der Unternehmer wurde daran erinnert, seinen Verpflichtungen nachzukommen und auf die Forderungen der Arbeiterin* einzugehen.

CNT-IAA Granada: 8Belts

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Spanien: CNT-IAA schließt Haustarifvertrag in Kantabrien ab

Nach sechs Monaten Verhandlung hat die anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft CNT-IAA Torrelavega bei „Fincas Urbanas“ einen eigeständigen Tarifvertrag für alle Mitglieder in dem Unternehmen abgeschlossen.

Landesweit ist dies die erste Stadt, in der eine CNT-Gewerkschaft solch einen umstrittenen Haustarifvertrag aushandeln konnte. Dieser regelt nun eine Lohnerhöhung, sowie Verbesserungen bei Urlaubsanspruch und Nachtarbeit.

Da alle Mitglieder dieses hauseigene Abkommen auf ihrer Vollversammlung beschlossen hatten, sieht die lokale Gewerkschaft darin einen Weg, um die reformistische Stellvertretungspolitik einer Funktionärsbürokratie durch solche selbstbestimmten, direkten Aktion zu verhindern.

Allgemeines Syndikat Torrelavega

Quelle:
https://www.adargainfo.com

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Spanien: Kampagne gegen Arbeitsunfälle

Unter dem Motto „Aus unserem Blut schöpfen sie ihren Reichtum – Arbeitsunfälle sind Unternehmensterror!“ startet eine Kampagne gegen die gesundheitlichen Gefahren am Arbeitsplatz. Die CNT-IAA Albacete will mit Plakaten und Aufklebern die berufsbezognen Risiken von Unfällen, Verletzungen und Erkrankungen aufmerksam machen.

Vor allem das Profitinteresse der Unternehmer*innen und die zunehmende Leistungsverdichtung bei gleichzeitiger Arbeitshetze sehen sie im Zusammenhang mit der gestiegenen Zahl von Arbeitunfällen und Berufskrankheiten in dem krisengeplagten Land. Im spanischen Staat sterben über 600 Arbeiter*innen pro Jahr bei Arbeitsunfällen, weltweit handelt es sich um etwa 360.000 Tote.

CNT-IAA Albacete

Arbeitsunfälle

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Frankreich: Neue Ausgabe von „Anarchosyndicalisme!“

Die aktuellle Nr. 156 der Gewerkschaftszeitung der CNT-IAA Toulouse ist erschienen mit folgenden Themen:

- „Lächeln, sie werden gefilmt“

- „(R)Evolution(en) – die kapitalistische Ideologie und die Theorie der Verteilung“

- „Levothyrox – eine medizinischer Unfall“

- „Die Chefs befehlen, Macron führt aus“

- „Autonomie und ziviler Ungehorsam: Die selbstbestimmte Arbeitszeitverkürzung in Italien“

- „Der Schaden in Katalonien“

- „Ebru Firat: Schon 400 Tage Inhaftierung der türkischen Gefangenen“

- „S.I.A. – eine andere Form der Solidarität“

- „Medien: Ein Hurrikan von Gerüchte aus Saint-Martin“

Anarchosyndicalisme 156 (CNT-IAA Toulouse)

http://www.cntaittoulouse.lautre.net/IMG/pdf/anarchosyndicalisme___156.pdf

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CreativeCommons: BY-NC (http://anarchosyndikalsimsu.blogsport.de)